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Heidrun Horn: Auch Erwachsene leiden unter dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom

Seit den 60er Jahren sind als Funktionsstörungen bei Kindern und Jugendlichen das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) und das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) bekannt. Beiden Syndromen typisch ist die Aussage, dass die Betroffenen "nicht können, was und wie sie wollen". Das liegt daran, dass die Betroffenen, wenn sie sich etwas vornehmen, sich ständig von neuen Dingen ablenken lassen, mit dem Ergebnis, dass sie nichts beenden und ihnen zielorientiertes Handeln nicht gelingt. Das Gegenteil kann ebenfalls der Fall sein: Wenn sie eine Sache besonders interessiert, können sie so sehr darauf fixiert sein, dass sie ihre Umwelt und alles andere um sich herum vergessen, was u.U. sowohl für sie als auch für die Umwelt gefährliche Auswirkungen haben kann (z.B. im Straßenverkehr oder bei der Bedienung von elektrischen Geräten usw.).

Gedanklich verlieren sie durch die Dinge, die ihnen sozusagen "dazwischenfunken", auch ihren "roten Faden". Durch die der Störung eigene Wahrnehmungsverzerrung fühlen sich die Betroffenen leicht von ihrer Umwelt angegriffen und oft missverstanden. Bei manchen Betroffenen führt dies dazu, dass sie sich lieber mit sich selbst beschäftigen, wodurch sich ihre eingeengte, egozentrische Weltsicht verstärkt ebenso wie ihr "Ich bin anders"-Gefühl, unter dem sie in früheren Jahren, als die Störung noch nicht bekannt war, z.T. lebenslang gelitten haben. Wie sich daraus entnehmen lässt, wird ein Kind mit ADS/ADHS auch ein Erwachsener mit ADS bleiben, es verändert sich allerdings das Störungsbild in seinen Auswirkungen, d.h., der Betroffene kann u.U. über viele Jahre je nach Lebensführung und -umständen praktisch beschwerdefrei leben.

Auf den nachfolgenden Bericht über ADS und Partnerschaft einer erwachsenen "ADS'lerin", die entsprechende Beratung und Training bei mir erhält, trifft letzteres noch nicht zu.

Ständig "funkt" mir etwas dazwischen.


Auslöser bzw. Ursache der beschriebenen Symptome (Unkonzentriertheit, mangelnde Ausdauer und Langeweilegefühle) ist bei den betroffenen Menschen eine generelle Überaktivität der Zellen im Gehirn (elektrisches Potential), verstärkt durch Reizvielfalt und Reizüberflutung aus der Umwelt. Dies geschieht schon in der Kindheit, in der sich zwei verschiedene Syndrom-Typen erkennen lassen: Die "Hyperaktiven" (ADHS), die "Zappelphilipp"-Verhalten zeigen und die "Träumer" (ADS), die zwar unauffällig wirken, jedoch durch geistige Abwesenheit und Langsamkeit der Reaktionen v.a. im Leistungsbereich beeinträchtigt sind.

Neben Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität (beim 2. Typ eher innerlich) leiden beide Typen unter vielfältigen Ängsten, treten gern in jedes "Fettnäpfchen" und sagen oft direkt heraus, was sie meinen, unabhängig davon, ob es situationsangemessen ist.

Von ADS betroffene Personen haben/machen nicht nur Schwierigkeiten, sondern sie besitzen eine Menge positiver Eigenschaften. So verfügen sie z.B. oft - notwendigerweise? - über eine ausgeprägte Improvisationsfähigkeit, sind nicht nur schnell zu begeistern, sondern haben auch viele kreative Ideen. Sie sind zwar oft störrisch und reagieren erstmal mit Widerspruch, sind aber selten lange nachtragend/bösartig. Desweiteren verfügen ADS-ler häufig über eine eher sonnige, heitere Grundstimmung.

Durch die Reizüberflutung, insbesondere durch die Medien, welche zukünftig noch mehr ansteigen wird, wird konsequenterweise auch die Zahl der hyperaktiven Personen bzw. deren Verhaltensauffälligkeiten zunehmen. Dies wiederum wird auch einen Anstieg der ADS- bzw. ADHS-Betroffenen zur Folge haben.

© 2001-2002 by Dipl.-Psych. Heidrun Horn, Psychologische Psychotherapeutin, Pforzheim, Tel. 07231 139583

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